Eine abgebrochene Erstausbildung, berufliche Umwege und schließlich der Neustart. Monika T., 35, absolviert bei der GSI SLV am Standort in Gelsenkirchen eine 28-monatige Umschulung zur Konstruktionsmechanikerin. Kurz vor den Abschlussprüfungen hat sie nicht nur umfangreiche metall- und schweißtechnische Kenntnisse erworben – auch eine konkrete berufliche Perspektive zeichnet sich bereits ab.
„Ich bin richtig glücklich, dass das geklappt hat und ich die Ausbildung starten konnte.“ Mit diesen Worten beschrieb Monika zu Beginn ihrer Umschulung ihren beruflichen Neustart. Inzwischen liegt ein großer Teil dieses Weges hinter ihr. Die Prüfungsvorbereitung läuft, am 22. September steht die schriftliche Prüfung an.
Dass Monika einmal wieder in der Metalltechnik landen würde, war keineswegs selbstverständlich. Nach dem Schulabschluss nach der 10. Klasse arbeitete sie zunächst in der Gastronomie. Ihr Interesse am Handwerk war allerdings schon früh vorhanden. Ein Vorbild war ihre Mutter, die zu Hause viele handwerkliche Arbeiten selbst erledigte – vom Fahrrad bis zum Abfluss.
Während einer dreimonatigen Berufsorientierung lernte Monika schließlich die Metalltechnik näher kennen und begann eine Ausbildung im Metallbau, Fachrichtung Konstruktionstechnik. Aus persönlichen Gründen musste sie diese nach dem zweiten Ausbildungsjahr abbrechen. Es folgten Tätigkeiten in Lager und Logistik sowie zeitweise ergänzende Leistungen der Grundsicherung.
Noch einmal Metalltechnik
Gemeinsam mit ihrer Vermittlerin der Gemeinschaftsinitiative B5 NRW entstand schließlich die Idee, den eingeschlagenen Weg wieder aufzunehmen. Über eine Förderung der beruflichen Weiterbildung erhielt Monika die Möglichkeit, bei den SLV Bildungszentren Rhein-Ruhr in Gelsenkirchen eine Umschulung zur Konstruktionsmechanikerin zu beginnen. „Ohne die Unterstützung meiner Vermittlerin wäre ich heute nicht hier“, sagt sie rückblickend.
Ganz verschwunden waren die Zweifel zu Beginn allerdings nicht. Nach der längeren Unterbrechung fragte sich Monika zunächst, ob die Rückkehr in die Metalltechnik tatsächlich die richtige Entscheidung sei. Die Antwort fand sie schnell in der praktischen Arbeit. Heute kann sie sich kaum noch vorstellen, einen anderen beruflichen Weg einzuschlagen.
Metalltechnik und Schweißen gehören zusammen
Die 28-monatige Umschulung vermittelt Monika die metalltechnischen Kenntnisse und Fertigkeiten, die sie für ihren angestrebten Berufsabschluss benötigt. Einen wichtigen Stellenwert nimmt dabei die praktische Ausbildung ein.
Neben grundlegenden Arbeiten der Metallbearbeitung wird sie schrittweise an verschiedene Handschweißverfahren herangeführt. Dazu gehören Lichtbogenhandschweißen (E-Hand), Metall-Aktivgasschweißen (MAG) und Wolfram-Inertgasschweißen (WIG).
Damit lernt Monika schweißtechnische Verfahren im DVS Ausbildungssystem und deren praktische Einsatzmöglichkeiten kennen. Besonders wichtig ist ihr, dass aus einzelnen Übungen zunehmend ein Verständnis für komplette Arbeitsabläufe und reale Bauteile entsteht. Genau diese Verbindung konnte sie während ihrer betrieblichen Praktika vertiefen.
Vom Übungsstück zum realen Produkt
Insgesamt absolvierte Monika während ihrer Umschulung zwei Praktikumsphasen bei der Klingenburg GmbH, einem weltmarktführenden Unternehmen im Bereich der Rotationswärmetauscher. Dort setzte sie ihre erworbenen Kenntnisse unter realen betrieblichen Bedingungen ein und lernte zugleich neue Arbeitsabläufe kennen.
Sie schweißte unter anderem Bleche und Rahmen und war auch an weiteren Fertigungs- und Montagearbeiten beteiligt, beispielsweise beim Nieten und Verschrauben von Rahmen.
Für Monika war gerade dieser Wechsel von der Ausbildungssituation zur konkreten Fertigungsaufgabe besonders wertvoll: „Die Praktika waren toll. Ich habe unglaublich viel gelernt. Es macht einfach Spaß, am Ende das Produkt zu sehen und mitzuerleben, wie es entsteht.“
Die betriebliche Praxis erfüllt damit eine wichtige Funktion innerhalb der GSI SLV Umschulung: Das in der Ausbildung erworbene Wissen muss sich unter realen Arbeitsbedingungen bewähren. Gleichzeitig lernen die Teilnehmenden Produktionsabläufe, Qualitätsanforderungen, Zusammenarbeit und die Erwartungen eines möglichen Arbeitgebers kennen.
Im Idealfall entsteht daraus ein sogenannter Klebeeffekt. Unternehmen und angehende Fachkräfte können sich über einen längeren Zeitraum kennenlernen – und aus einem Praktikum kann ein Beschäftigungsverhältnis entstehen.
Für Monika hat das Praktikum den Blick auf ihre berufliche Zukunft weiter geschärft. Nach erfolgreich bestandener Abschlussprüfung möchte sie ihre erworbenen Kenntnisse und Erfahrungen möglichst direkt in der betrieblichen Praxis einsetzen.
„Es geht darum, was man kann“
Monikas berufliches Ziel ist inzwischen eindeutig. Sie möchte nach ihrem Abschluss in der Schweißerei Fuß fassen und dort langfristig arbeiten.
Dass die Metall- und Schweißtechnik häufig noch als Männerdomäne wahrgenommen wird, spielt für sie dabei kaum eine Rolle. Auf die Frage, ob sie während ihrer Ausbildung oder im Betrieb wahrnehme, als Frau in einem vermeintlichen Männerberuf zu arbeiten, reagiert sie mit einem Schulterzucken. „Eigentlich nicht. Es geht um die Arbeit und darum, was man kann – nicht darum, ob man Mann oder Frau ist.“
Nun steht zunächst der erfolgreiche Abschluss ihrer Umschulung im Mittelpunkt. Aus der Frau, die zu Beginn noch kurz überlegte, ob die erneute Entscheidung für die Metalltechnik richtig war, ist längst eine angehende Fachkraft mit einem klaren beruflichen Ziel geworden.
Und sollte der weitere Weg nicht immer geradlinig verlaufen, hat Monika dafür bereits eine Haltung entwickelt: „Egal, was passiert, aufgeben gehört nicht zu meinem Vokabular.“
Die mögliche Übernahme nach der Prüfung würde den Kreis schließen. Von der Berufsorientierung über eine zunächst abgebrochene Ausbildung und den geförderten Neustart bis zum Berufsabschluss und zum Einstieg als Fachkraft in die Metall- und Schweißtechnik.