Nach dem ersten Weltkrieg wird die Frage nach einem Qualifikationsnachweis immer dringender. Dieses geschieht einmal vor dem Hintergrund eines gestiegenen Bedarfs, aber auch des sinnvollen Einsatzes geeigneter Kriegsversehrter. Die Überlegungen gehen bis zur Schaffung des Titels „Schlosser- und Schweißmeister“.
Mit Kriegsbeginn erfolgt unverzüglich die Anerkennung als W-Betrieb, d.h. wehrwirtschaftlich wichtig. Verbunden ist damit die bevorzugte Belieferung mit Rohstoffen und Schonung der Personal-Ressourcen. Der Schwerpunkt der Ausbildung liegt nicht mehr bei den Standard-A- und E-Lehrgängen, sondern werkstoffspezifisch bei Leichtmetallen und Zink. Erstmalig werden auch 50 Frauen in mehrwöchigen Lehrgängen als Stahl- und Leichtmetallschweißerinnen für die Rüstungsindustrie geschult.
Fachkompetentes Personal für einen Neubeginn stand zur Verfügung und so entschloss man sich, mit Aufräumungs- und Bauarbeiten bereits Mitte Mai 1945 zu beginnen und so lange auf Lohn- und Gehalt zu verzichten, bis der Wiederaufbau der Anstalt gesichert war. Diese Arbeiten waren Ende Juli soweit vollendet, dass die ersten (geldbringenden) Arbeiten für den Magistrat, die Industrie, das Handwerk und die Militärregierung übernommen werden konnten.
Prof. Dr. Rimarski als dem ehemaligen Vorsitzenden ist es zu verdanken, dass die beiden Vorgängerbetriebe in der Spreestraße (Charlottenburg; britischer Sektor) und Bennigsenstraße (Friedenau; amerikanischer Sektor), zur „Arbeitsgemeinschaft Schweißtechnik“ zusammengefasst werden und die behördliche Genehmigung zur Wiederaufnahme der Lehrgangstätigkeit erhalten.
Ab Mitte Mai 1946 wird die sogenannte Abteilung I in der Spreestraße vom Bezirksamt Charlottenburg und der britischen Militärregierung beauftragt, die Lagerhaltung und Verteilung kontingentierter Betriebsstoffe zu übernehmen.
Zeitweise ist die Abteilung I der einzige Betrieb in Berlin, der schwierige Sonderschweißarbeiten (Reparaturen nach Kriegsschäden) durchführen kann.
Die Lehrgangstätigkeit kann langsam auf- und ausgebaut werden, wobei die „klassische“ A- und E-Schweißtechnik im Vordergrund steht. Im Auftrag des Reichsbahn-Zentralamtes beginnt im November 1946 der erste SFI-Lehrgang nach dem Krieg.
Die politische Entwicklung im Nachkriegs-Deutschland lässt ein einheitliches Verbandswesen als Träger der schweißtechnischen Ausbildung nicht zu. Während in „West“-Deutschland (amerikanische, britische, französische Zone) der Deutsche Verband für Schweißtechnik (DVS) e.V. mit seiner Verbandszeitschrift „Schweißen und Schneiden“ (S + S) wirkt, hat sich in Berlin die Arbeitsgemeinschaft Schweißtechnik (ASB) e.V. als Träger der hiesigen SLV etabliert.
- Schweißen mit magnetisch bewegtem Lichtbogen (Werkstoffe, Einsatzgebiete)
- Abbrennstumpfschweißen (u.a. Eisenbahnschienen)
- Schweißen von Glas
- Schweißen von Plasten (im Rahmen der KGL-Technik)
- Einsatz von Schmelzklebstoffen
- Schweißen im Schienenfahrzeugbau
- Entwicklung von zerstörungsfreien Prüftechniken
- Robotereinsatz in der Schweißtechnik
- Schweißgeräte-Entwicklung
Die Ausbildungsabteilung ist hinsichtlich ihrer Auslastung weiterhin vor großen Schwankungen unterworfen.
Positiv entwickelt sich dagegen in den 80er Jahren die Abteilung Betriebszulassung / Bauüberwachung. Das hängt nicht nur von den erfolgreichen akquisitorischen Aktivitäten der in der Abteilung beschäftigten Ingenieure ab, sondern auch mit dem verbesserten politischen Klima. Zunehmend erhalten DDR-Stahlbaubetriebe eine Zulassung durch die SLV Berlin.
Noch im November 1989 erreicht die ASB ein Brief des Vorsitzenden des Arbeitsausschusses Schweißtechnik in der Bezirksfachsektion Maschinenbau der KDT Berlin, Dipl.-Ing. W. Schulz, mit der Bitte um Auskunft nach einem vergleichbaren Gesprächspartner.
Das war natürlich die ASB mit ihrer SLV. Der Geschäftsführer und Leiter der SLV informiert am 06.12.1989 nach einer Sitzung des „ad-hoc“-Kreises telefonisch Herrn Schulz und lädt Vertreter des Arbeitsausschusses Schweißtechnik als Gäste zu einer außerordentlichen ASB-Vorstandssitzung am 09.02.90 ein.
- 28.06.1990: Gründung des DVS-Bezirksverbandes Berlin
- 18.07.1990: Gründung des DVS-Landesverbandes Berlin-Brandenburg mit dem Vorsitzen-den Dipl.-Ing. Boye
- 31.07.1990: Vereinbarung zwischen Dr. Sossenheimer, DVS Düsseldorf und Prof. Thieme, ZIS Halle, über ein Konzept zur Schaffung einer SLV Halle
- 01.08.1990: Dr. Krüger, SLV-Leiter Berlin, und Dr. Schlebeck, Leiter der Abt. Rationalisierung ZIS Halle in Pankow, erarbeiten ein Konzept über die Zusammenführung von Wedding und Pankow. Zu diesem Zeitpunkt zählten die Betriebsteile Wedding 29 und Pankow 80 Beschäftigte. In Anlehnung an die Einzugsgebiete anderer SLVen (z.B. München, Mannheim, Hannover) und in Erwarten einer zukünftigen positiven Entwicklung wurde von ungefähr 60 Beschäftigten ausgegangen.
- 02.08.1990: Findet eine ASB-Mitgliederversammlung mit Weichenstellung zur Auflösung und Übertragung der Mitgliedschaft in den DVS-LV Berlin-Brandenburg sowie zur Gründung einer SLV-GmbH statt.
- 24.09.1990: Vereinbarung zwischen Wedding und Pankow zur Kooperation in der schweißtechnischen Ausbildung
- ab Jan. 1991: Zuordnung der Beschäftigten im BT Pankow zu Lohn- und Gehaltsgruppen des Metallvertrages wie im BT Wedding seit Jahrzehnten praktiziert.
Nach intensiven Verhandlungen zwischen DVS-Hauptgeschäftsstelle, Treuhandanstalt und SLV Halle unter Mitwirkung der SLV Berlin folgen die gesellschaftsrechtlichen Schritte.
- 26.03.1991: Gründung der "Schweißtechnischen Lehr- und Versuchsanstalt Berlin GmbH“ mit dem alleinigen Gesellschafter DVS. Zum Geschäftsführer wird der bisherige Leiter der SLV Berlin, Dr. U. Krüger, bestellt.
- 08.04.1991: Übertragung des Instituts SLV Berlin (BT Wedding) durch die ASB auf die SLV Berlin GmbH und Einbringung des Instituts Pankow durch die SLV Halle GmbH in die SLV Berlin GmbH ohne Zustimmung der Treuhandanstalt
- 07.05.1991: Eintragung der SLV Berlin GmbH in das Handelsregister
- 16.05.1991: Erste Gesamt-Betriebsversammlung der BT Pankow und Wedding.
Parallel zu diesen Vorgängen wird die notwendige Personalreduzierung – einvernehmlich zwischen Leitung und Betriebsrat – eingeleitet. Es werden entsprechend der vorhandenen Infrastruktur folgende Schwerpunkte geschaffen:
BT Pankow (Wackenbergstraße):
- praktische Ausbildung mit 7 Lehrschweißern
- Forschung / Entwicklung nichtmetallischer Werkstoffe und Klebtechnik
- Arbeitsschutzzentrum Schweißtechnik
BT Wedding (Luxemburger Straße)
- Leitung/Verwaltung einschl. Buchhaltung
- praktische Ausbildung mit 7 Lehrschweißern
- fachtheoretische Ausbildung / Seminare
- Forschung / Entwicklung metallische Werkstoffe
- Betriebszulassungen / Bauüberwachung
- Werkstoffprüfung
Damit verbunden ist auch ein teilweiser Umzug von Beschäftigten vom Dienstort Pankow nach Wedding.
Vorübergehend kommt auf die SLV noch eine andere Aufgabe zu. Viele der in der DDR A+P (Ausbildung und Prüfung) vom ZIS lizenzierten Betriebe möchten nach der politischen Wende nach DVS-Regeln weiter ausbilden und prüfen. So kommt es zur fachlichen Betreuung von bis zu 51 „Außenstellen“ der SLV, aus denen später zahlreiche DVS-anerkannte Kursstätten hervorgehen. Eine besondere Unterstützung durch die SLV Berlin erhalten auf Wunsch die Gründungs-Bemühungen der SLV Mecklenburg-Vorpommern in Rostock.