Gute Nachbarschaft will gepflegt werden. Das bestätigte auch ein Besuch im „Mercedes-Benz Classic Center" im Mai 2026 in Fellbach. Auf eine langjährige Zusammenarbeit mit dem Classic Center lässt sich bereits zurückblicken, entsprechend gern wurde die besondere Einladung der Nachbarn angenommen – und ein Nachmittag, umgeben von „Klassikern", zur Zeitreise.
Das Classic Center bietet spezialisierte Arbeiten von Reparatur und Inspektion bis hin zur Werksrestaurierung an. Zu den weiteren Leistungen zählen unter anderem die weltweite Versorgung mit Originalteilen sowie der Verkauf exklusiver Klassiker.
Bereits beim Eintreten sorgten makellos polierte Fahrzeuge und der Geruch nach Oldtimern und gealtertem Leder für staunende Gesichter. Aus nächster Nähe – von außen wie von innen – ließen sich diese Schätze betrachten.
Schreibt man tatsächlich das Jahr 2026? Dieser Eindruck stellte sich angesichts der Oldtimer aus den unterschiedlichsten Jahrzehnten mehrfach ein. Einige von ihnen sind nahezu 100 Jahre alt und bis heute fahrbereit.
Während der knapp zweistündigen Besichtigung war zu erfahren, dass einzelne Originalteile dieser Oldtimer noch autogen geschweißt werden — Prozess 311 nach ISO 4063 und eines der ältesten Schweißverfahren überhaupt: Das Original eben! Für weiteres Staunen sorgte der Hinweis, dass manche dieser Raritäten jahrzehntelang in Scheunen lagern, bevor sie gefunden und anschließend vollständig restauriert werden.
Auch ein Blick auf das wohl teuerste Automobil der Welt war möglich: „der Silberpfeil“.
Die Silberpfeile selbst verbinden Schweißtechnik mit Werkstoffgeschichte. Beim W 25 von 1934 bildeten zwei U-Profil-Längsträger mit Querverstrebungen den Rahmen, auf den eine von Hand getriebene Aluminiumkarosserie aufgesetzt war. Der Beiname entstand bekanntlich aus Gewichtsgründen, als nach dem Abschleifen des weißen Lacks die pure Aluminiumkarosserie silbern funkelte.
Schweißtechnisch fällt die Entstehungszeit vor die Einführung des WIG-Verfahrens (1940er-Jahre). Die Aluminiumbleche dieser Epoche wurden durch Treibarbeit geformt, mit der Unterstruktur vernietet und — wo gefügt wurde — gasschmelzgeschweißt (Prozess 311). Aluminium stellt dabei hohe Anforderungen. Die Oxidschicht (Al₂O₃) schmilzt erst bei rund 2050 °C, das Grundmetall bereits bei etwa 660 °C, weshalb ein chlorid-/fluoridhaltiges Flussmittel die Oxidhaut aufbrechen muss. Da Aluminium vor dem Aufschmelzen keine Anlauffarben zeigt, ist der Schmelzzustand allein optisch zu beurteilen — eine ausgesprochene Könnerarbeit. Hohe Wärmeleitfähigkeit und Wärmeausdehnung verlangen zudem Vorwärmung und eine kontrollierte Schweißfolge gegen Verzug.
Doch nicht alles hat seinen Preis: Der Mercedes-Benz Silberpfeil gilt als unbezahlbar, ebenso wie die Erinnerungen an diesen Nachmittag.
Ein großer Dank geht an das „Mercedes-Benz Classic Center" für die Organisation der Besichtigung und die bleibenden Eindrücke.